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Ausgabe 09/2008
Zukunft DigitalInteraktives TV im Blickfeld
Der Verein "Zukunft Digital" hat die Kommunikation der Zukunft im Visier.Um diese zu erforschen und zu entwickeln, haben sich diverse Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zu einer Forschungsgemeinschaft zusammengeschlossen. Ende 2007 gegründet, beschäftigt sich der Verein mit aktuellen Themen und Zukunftsszenarien wie Interaktives Fernsehen, In-Game-Advertising und Mobile-TV. ASTRAinsider sprach mit Wolfgang Bscheid, dem 1. Vorsitzenden des Vereins.
ASTRAinsider: Der Satellit ist Vorreiter bei der Digitalisierung, das Kabel hinkt etwas hinterher. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung der Digitalisierung in Deutschland?
Wolfgang Bscheid: In der Tat ist die Digitalisierungsquote beim direkten Satellitenempfang am höchsten. Nur langsam zieht der Empfangsweg Kabel nach. Speziell bei konventionellen TV-Angeboten fehlt häufig die Argumentation, warum der Konsument auf "Digital" umstellen sollte. Die zentrale Frage lautet daher: "Wo liegt der Mehrwert?" Aus Konsumentensicht zeigt sich, nicht die Digitalisierung ist das Thema, sondern das konkrete Angebot. Hinzu kommt, dass sich viele Haushalte unter Digitalisierung an sich nichts vorstellen können. Daher muss das Thema Digitalisierung aus Vertriebssicht „übersetzt“ werden, wenn es zu einer weiteren deutlichen Nachfragesteigerung führen soll.
Und in welcher Rolle sehen Sie sich als Forschungsgemeinschaft dabei?
Aus Forschungsgesichtspunkten ist das Thema für uns sehr vielschichtig. Das beginnt bei der konkreten Fragestellung, welche Anwendungen im Fokus der Nutzer stehen - bezogen auf die jeweiligen Zugangswege. Wir untersuchen aber auch, was genau die jeweilige Nutzungssituation beeinflusst. Dazu gehören Aspekte wie Benutzerführung oder die Frage, wer welche Angebote zu welchen Konditionen bereitstellen sollte.
Sie haben in einer Gemeinschaftsstudie das Thema "Verbraucherverhalten bei interaktivem Fernsehen" beleuchtet. In Kürze: Wie sehen Sie die Perspektiven für Interaktives TV in Deutschland?
Aktuelle Anwendungen wie zum Beispiel "Blucom", ein interaktiver Dienst von ASTRA, oder auch BMW TV auf dem MS Mediacenter, haben gezeigt, dass der Verbraucher durchaus Gefallen an neuen interaktiven Angeboten findet. Eine wichtige Erkenntnis ist aber auch, dass es im Kern fast immer um Unterhaltung geht. Und das ist vielen noch nicht klar.
Der Wettbewerb im Entertainment-Bereich ist mittlerweile sehr hart. Der Verbraucher nutzt ein Angebot nicht nur, weil es interaktiv ist, sondern weil er sich besser unterhalten fühlt. Wenn Interaktion zu dieser Unterhaltung beiträgt, gut. Aber Interaktion per se ist zu wenig. Für den Anbieter lassen sich gerade über gute Interaktion ungeahnte Mehrwerte für Marken und Unternehmen schaffen.
Medienkonvergenz ist mittlerweile ein "In"-Thema. Welchen Herausforderungen muss sich da der Verbraucher einerseits und der Anbieter (Hersteller, Händler, Inhalte-Anbieter) andererseits stellen?
Auf der Anbieterseite ist jeder Schritt in Richtung Homogenisierung der Systeme ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, so dass Anpassungen auf unterschiedliche Medien und Endgeräte (siehe Mobilbereich) immer günstiger werden können. Denn Konvergenz in der Praxis ist ein sehr komplexes Thema, das nicht nur viel Know-how, sondern auch ein routiniertes Zusammenspiel auf Seiten der Dienstleister und Agenturen voraussetzt. Aber wir sind auf einem guten Weg, zumal der Erfolg gelungener Umsetzungen – wie der zum Beispiel bereits von mir erwähnten – eine sehr gute Motivation darstellt.
Vielen Dank für dieses Gespräch. Weitere Informationen unter: http://www.zukunft-digital.de |



